Japanischer Teeweg

Ueda Sôko Tradition  上田宗箇流

Bukecha - Teeweg der Samurai

In der Geschichte des Teeweges stellt die Zeit zwischen dem Ende des 15. und dem des 16. Jh. einen Wendepunkt dar: War bis dahin der Genuss einer Schale Tee mit äußerster Prachtentfaltung und der Zurschaustellung und Bewunderung chinesischer Kostbarkeiten verbunden, so trat mit den Teemeistern Murata Jukô (1422 – 1502), Takeno Jôô (1502 – 1555) und Sen no Rikyû (1521 – 1591) ein deutlicher Wandel ein. Jukô, der sich unter dem Zen-Meister Ikkyû Sôjun (1394 - 1481) geschult hatte, führte als Erster den Geist des Zen-Buddhismus mit seiner meditativen Stille und verhaltenen Schlichtheit in den Teeweg ein (wabicha), den seine beiden Nachfolger Jôô und Rikyû zu einem Weg der geistigen Schulung ausgestaltet haben. 
Sen no Rikyû, der wie seine beiden Vorgänger eine Zen-Ausbildung absolviert hat, besaß als Teemeister des damals mächtigsten Mannes Japans, des Reichseinigers Toyotomi Hideyoshi (1563 – 1598), eine herausragende Stellung, die ihn in die Lage versetzte, die weitere Entwicklung des Teeweges entscheidend zu beeinflussen: Rikyû, der selbst einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie aus Sakai entstammte, trug dabei den wabicha seines „Großvaters“ Jukô in die Kreise der Samurai um den Feldherren Toyotomi  Hideyoshi. Seine wichtigsten Schüler, die sogenannten „Sieben Weisen Rikyûs“, gehörten daher der Klasse des Schwertadels (buke) an. 
 
Zu dem Kreis derer, die in unmittelbarem Kontakt zu Sen no Rikyû den Teeweg erlernt haben, gehörte auch Ueda Sôko, der zwar nicht zu den „Sieben Weisen“ gezählt wird, sich aber nach seinem Eintritt in die Dienste Hideyoshis von 1585 bis 1591, dem Todesjahr Rikyûs, unter dessen Anleitung auf dem Teeweg geschult hat.
 
Nach dem rituellen Selbstmord Rikyûs hat sich Ueda Sôko dem bekanntesten unter den „Sieben Weisen“, Furuta Oribe (1544 – 1615), angeschlossen, der zusammen mit Kobori Enshû (1579 – 1647) und Katagiri Sekishû (1605 – 1673) den Teeweg der Lehensfürsten (daimyôcha) etabliert hat. Doch die besondere Tradition des Teeweges, die Ueda Sôko später selbst begründet hat, ist weniger von dem Einfluss Oribes als vielmehr demjenigen Rikyûs und seiner beiden Vorgänger bestimmt. 
 
In den Kreisen des Schwertadels entstanden, versteht sich Ueda Sôkos Richtung des Teeweges als „Teeweg der Samurai“ (bukecha). Dass in den bürgerkriegähnlichen Wirren bis zum Beginn der Edô-Zeit vor allem die Samurai wieder und wieder mit dem Tode konfrontiert waren, hat diesem Teeweg seine besondere Form gegeben: jeden Augenblick des Lebens den eigenen Tod vor Augen zu haben und doch jeden Moment bewusst zu erleben und voll auszuschöpfen. Gerade in diesem Punkt berührt sich der bukecha mit dem Zen-Buddhismus, zu dem sich die Samurai seit jeher  hingezogen fühlten, weil die fortwährenden Einübung in ein spirituelles Sterben (za-zen) ihnen dazu verholfen hat, von ihrem Ich mit seinen Hoffnungen und Ängsten abzusehen und sich rückhaltlos dem gegenwärtigen Tun zu überlassen. Diese Einstellung hat sich im bukecha auch dann noch erhalten, als es unter dem Shôgunat der Tokugawa für nahezu 300 Jahre keine Kriege und Kämpfe mehr gegeben hat. 
 
Aber nicht nur die Daimyôs und Samurai haben den Teeweg Jûkos, Jôôs und Rikyûs weitergeführt; vielmehr hat er sich auch unter der bürgerlichen Stadtbevölkerung (machishû) weiterhin großer Beliebtheit erfreut und sich vor allem mit den drei – von Sen no Rikyûs Urenkeln begründeten – Senke-Schulen (Ura-, Ômote-, und Mushanokôjisenke) bis in die heutige Zeit fortgesetzt. 

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Haupteingang der Ueda Sôko Ryû, Hiroshima
So hat sich der ursprüngliche wabicha Murata Jûkos zu unterschiedlichen Traditionssträngen entwickelt, je nach dem sozialen Umfeld derer, die ihn praktiziert haben. Dabei hat der bukecha der Ueda Sôko Schule durch die Persönlichkeit ihres Begründers, der sich in den letzten Jahrzehnten seines Lebens vermehrt der Zen-Übung gewidmet hat, ein charakteristisches Flair erhalten, in dem sich die Schlichtheit des ursprünglichen wabicha mit der Eleganz und Vornehmheit des daimyôcha und der würdevollen Strenge des Schwertadels verbindet.