|
Teeweg und Zen-Buddhismus:
Cha zen ichimi - 茶禅一味 („Tee und Zen: ein einziger Geschmack“) – das bedeutet keineswegs, dass Teeweg und Zen austauschbar wären: weder lässt sich die Übung des zazen durch die Praxis des Teeweges ersetzen, noch umgekehrt. Aber sie haben dennoch Entscheidendes gemeinsam: die Ruhe des Geistes und das Gewahren der Vergänglichkeit. Bei einer Tee-Zusammenkunft können wir alle Alltagsgedanken ablegen und uns ganz dem gegenwärtigen Augenblick hingeben. Nichts lenkt uns dann ab, wenn wir den feinen Geruch des Duftholzes wahrnehmen, das der Gastgeber, die Gastgeberin vor Beginn der Zeremonie in das Holzkohlefeuer gelegt hat; wenn wir das Wasser im Kessel summen und darin "den Wind in den Kiefern" rauschen hören; wenn wir die Teeschale in die Hände nehmen, ihre Form, ihre Oberfläche, ihre Wärme verspüren und den dargebotenen Tee schmecken; wenn wir - nicht zuletzt - schweigend die Schönheit der Geräte in uns aufnehmen. Je mehr wir wahrnehmen, desto tiefer versinken wir, und die einzelnen Aktionen des Gastgebers, der Gastgeberin verlieren die Endlichkeit ihrer Kontur: Das Reinigen der Teedose mit dem Seidentuch entfernt nunmehr den Staub der ganzen Welt, und der kleine, in sich abgeschlossene Teeraum weitet sich ins Unendliche. Zen – das ist die tägliche Einübung ins Sterben, in die ‚Leerheit’ von Ich und Welt, und zugleich eine ungetrübte Bejahung eben dieser hinfälligen, weil letztlich leeren Welt. Aus solch wechselseitiger Durchdringung gegensätzlicher Einstellungen resultiert das, was die chinesischen Meister das ‚spielerisch-vergnügliche Leben’ derer genannt haben, die zur ‚Leerheit’ als dem wahren Wesen aller Dinge erwacht und eben deshalb, dem Leben aufs neue zugewandt, von keinen Anfechtungen mehr bedroht sind. Ganz ähnlich der Teeweg: Er ist von der Grundstimmung des 'ichigo ichie' gekennzeichnet: dass jede Tee-Zusammenkunft von Gastgeber/in und Gästen durch ihre Einmaligkeit und Unwiederholbarkeit gekennzeichnet ist, als ein flüchtiges Ereignis, das den Keim seines Verschwindens von Anfang an in sich trägt, letztlich keinen besonderen Sinn hat – und gerade deshalb, wie ein ‚Spiel’ (asobi) erlebt wird. |
![]() |
Letzte Libelle im Herbst –
Flirrendes Licht auf den Flügeln – Ruhelos schwebend und weiß nichts, Gar nichts von baldigem Tod. Großer Räuber, vorbei Deine Zeit, Beute gibt’s keine mehr. Sanft noch wärmt Dich der Tag, Einer der letzten voll Herbstlicht, Kraftlos schon bald – Immer kühler die Nächte – Wirst Du erlöschen, Einwärts, heimwärts ins Nichts, Buddha-Wesen, Du fragst nicht, Nicht nach dem Sommer und auch nicht nach Deinem Tod. Dir braucht kein Zhao-zhou Hinweis zu geben, Belehrung: „Mach’s wie der Baum da im Hof!“ Du bist dem Alten, dem großen, Noch um Längen voraus, Selber „der Satz, der noch Allen Sätzen voraus liegt.“ Du, ganz wortlose Buddha- Lehre, dass doch Alle Fülle nur Nichts ist, Dass aber auch das Nichts Fülle ist, alle sogar. Der ich schon jetzt Deine Gelassenheit übe, Täglich im Großen Tod, Lass’ mich dereinst sterben wie Du, Klaglos zum Abschied bereit. www.zen-gedichte.de |

