Nunmehr erschienen: Zen - vom Kopf auf die Füße gestellt

Dieses Buch vereint gleich zwei Klassiker des Zen: die Lehre des HUANG-BO und das MUMONKAN. Ersterer hat das Glück gehabt, in Pei-xiu, dem Angehörigen der höchsten Bildungs- und Beamtenelite, einem Fürsprecher begegnet zu sein, der die Lehren Huang-bos bereits sieben Jahre nach dessen Tod an die Öffentlichkeit gebracht hat, gestützt auf eigene Aufzeichnungen und ergänzt durch die Aufzeichnungen langjähriger Mönchsschüler des gemeinsamen Lehrers. Damit stellt die Huang-bo-Ausgabe des Pei-xiu den ältesten Chan-Text dar, der als mehr oder weniger authentisch gelten kann. Dietrich Roloff hat den Text des Pei-xiu in größtmöglicher Nähe zum chinesischen Original neu übersetzt und als Beispiel für das Chan der Tang-Zeit interpretiert.

 

Das MUMONKAN wird hier als der krönende Abschluss der chinesischen Kôan-Literatur der Song-Zeit begriffen. Dietrich Roloff entwirft mit seiner Neu-Übersetzung und seinen Kôan-Erläuterungen eine Sichtweise, die über die sonst gängigen Deutungen weit hinausgeht. Im Vordergrund steht dabei die unüberbietbare Radikalität des sog. Kôan MU. 

 

In einem dritten Teil stellt Dietrich Roloff die Lehre des HUANG-BO und das Chan des MUMONKAN einander gegenüber und versteht den gedanklichen Abstand des Letzteren zur Ersteren als Ausdruck einer Entwicklung, die zwischen diesen beiden Eckpunkten des chinesischen Chan stattgefunden hat. Die Radikalität des Mumonkan führt ihn sodann zu der Frage, wie weit wir Heutigen es uns leisten können, weiterhin an den überlieferten metaphysischen Annahmen des uns vertrauten japanischen Zen festzuhalten, oder ob wir nicht vielmehr, dem Vorbild des chinesischen Chan folgend, in ein gedankliches Neuland vorstoßen müssen, das unserem neuzeitlich-wissenschaftlichen Weltverständnis mehr entspricht als mittelalterliche Glaubenssätze.