GONE FISHIN` oder wie man sein Japanisch verbessert

Was hat das Erlernen der japanischen Sprache mit Angeln zu tun? Um ehrlich zu sein – nichts! GONE FISHIN` ist vielmehr der Titel eines Buches, das mir in den letzten Tagen zufällig in die Hände gefallen ist und über das ich hier gerne kurz schreiben möchte. Aber um es gleich vorweg zu sagen: wer jetzt sofort nach dem Buch suchen möchte, sollte wissen, dass der Titel nach der ersten Auflage abgeändert wurde in: „Making Sense of Japanese - What the Textbooks Don’t Tell You“, geschrieben von Jay Rubin, der bis 2008 Professor für japanische Literatur an der Harvard University in Cambridge war und zugleich neben Alfred Birnbaum einer der Übersetzer für Haruki Murakamis Werke ins Englische.

Ich gebe ja zu, dass man mit Büchern über Grammatik, gleich welcher Sprache, im Allgemeinen wenig Interesse erzeugen kann. Aber Jay Rubins Buch ist anders! Kein herkömmliches Lehrbuch, wie man es aus VHS-Kursen kennt, sondern (nicht nur meiner Meinung nach) eines der besten Japanisch-Bücher, die es gibt und zugleich mit Abstand das Lustigste.

 

Was das Buch in meinen Augen von allen anderen japanischen Lehrbüchern abhebt ist, dass es nicht wie ein Lehrbuch daherkommt, sondern sich eher wie eine Liebeserklärung an eine Sprache liest. Die Begeisterung Rubins für sein Fachgebiet springt schon auf den ersten Seiten über und lässt einen bei so mancher Formulierung einfach herzhaft auflachen. Dabei  erhält man zugleich einen tiefen Einblick in eine Sprache, die mit all ihren Eigenheiten zwar nicht einzigartig ist, sich aber in vielen Punkten vom Englischen oder vom Deutschen unterscheidet.

 

Dem Autor geht es denn auch nicht um die reine Vermittlung von grammatischen Sachverhalten, sondern vielmehr darum, zu verstehen, wie diese Sprache funktioniert. Immer wieder werden dabei häufige Mythenbildungen, wie sie in japanischen Textbüchern nur zu gern auftauchen, unter die Lupe genommen. Einfach großartig ist z.B. sein Kapitel über den Unterschied zwischen „Wa and Ga: The Answers to Unasked Questions“ oder auch „The Invisible Man´s Family Reunion“ in welchem er all die Formen von yaru, ageru, sashiageru, kudasaru, kureru, morau und itadaku sowie Kausativ und Passiv-Kausativ behandelt, die einen im Japanisch-Unterricht manchmal schier verzweifeln lassen.

 

Dies mag jetzt alles ein wenig schulbuchhaft klingen und in einigen Rezensionen wird dieses Buches denn auch nur für Fortgeschrittene empfohlen. Diese Meinung vertrete ich jedoch nicht. Sicherlich mag es hilfreich sein, wenn man die entsprechende grammatische Struktur schon kennt, aber ich glaube, dass man auch dann vom Inhalt profitieren kann, wenn man (noch) nicht so genau versteht, worum es geht. Denn dieses Buch ist abseits von Syntax und linguistischer Morphologie ein Gewinn ganz einfach weil es neugierig macht - und Neugier ist die beste Voraussetzung für´s Lernen: "[…] one of the great pleasures in learning Japanese comes in those moments of reflection after you have spoken or understood one of these strange expressions automatically, and you realize that you have learned to make your mind work in ways your mother never could have imagined."

 

Man braucht übrigens keine Angst vor Kanji (chinesische Schriftzeichen, welche die japanische Sprache neben den beiden Silbenschriften nutzt) zu haben, denn die kommen in dem Buch so gut wie gar nicht vor. Alle japanischen Sätze sind in Rōmaji (lateinische Buchstaben) geschrieben. Manche Rezensenten bezeichnen dies als ein Manko. Das sehe ich allerdings nicht so, denn die Rômaji-Texte sind durch eingefügte Leerzeichen sehr gut zu lesen (kein Vergleich mit diesem Hiragana/Katakana-Gemisch ganz ohne Kanji, das in manchen Lehrbücher zu finden ist). Außerdem schließe ich mich dem Autor an: „Kanji are tough. Kanji are challenging. Kanji are myterious and fun and maddening. […] But Kanji have nothing to do with grammar or sentence structure or thought patterns or the Japanese world view, and they are certainly not the Japanese language.”

 

Leider hat sich bisher noch kein Verlag gefunden, der das Buch ins Deutsche übersetzen wollte. Das ist aber kein großes Problem, denn Rubin schreibt in einem auch für Nicht-Muttersprachler leicht verständlichem Englisch.

 

Und wer sich immer noch fragt, was das Ganze denn jetzt mit Angeln zu tun hat, dem kann ich nur sagen:

本日は休ませて頂きます- „Heute geschlossen!“ oder eben: GONE FISHIN` …

 

"Making Sense of Japanese - What the Textbooks Don't Tell You"

von Jay Rubin

Verlag: Kodansha International

Sprache: Englisch

ISBN-10: 156836492X

ISBN-13: 978-1568364926

 

(Jana Roloff)