· 

Ein Nachtrag zu 'Zen und Zeit'

Hölderlin – mit seinem Satz an Böhlendorf: „Und wie man Helden nachspricht, so kann ich wohl sagen, dass mich Apollo geschlagen!“ der Begleiter der Schwermut meiner Jugend und auch meiner Einsamkeit – „gehäuft sind rings / Die Gipfel der Zeit, und die Liebsten / Nah wohnen, ermattend auf / Getrenntesten Bergen …“ – hat den Frühreifen schmerzlich in seinen Bann gezogen, ihm aber auch mit seiner ‚Friedensfeier‘, über Jahre hinweg Wort für Wort im Gedächtnis gespeichert, ungläubig-halbherzig empfangenen Trost gegeben, bis ihm, vom Zen berührt, alles Trostbedürfnis abhandenkam.

 

Ach, dieser Hölderlin …

Oft schon bin ich genötigt gewesen,

Ihn eines anderen zu belehr‘n –

Hoch geschätzt allemal,

Aber gleichwohl.

 

Nun also dies:

 

Und vor der Türe des Hauses

Sitzt Mutter und Kind

Und schauet den Frieden,

Und wenige scheinen zu sterben,

Es hält ein Ahnen die Seele,

Vom goldenen Lichte gesendet,

Hält ein Versprechen die Ältesten auf.

 

Nein, da ist kein Versprechen,

Dass die Zukunft der Welt

Einst zum Verweilen verlockt –

Uns, denen die Stunde des Abschieds,

Rechtzeitig noch,

Fast gilt wie Trost

Vor dem Dunkel der Welt.

 

Und was uns persönlich betrifft:

Goldenes Licht

Über den Tagen des Alterns

Lässt keinen Schmerz, keine Trauer

Abschiedshalber uns zu.

 

Auch keine Sehnsucht

Rückwärts in Zeiten,

Die angeblich glücklicher waren,

Aber kein Ahnen auch,

Glück, das wahre,

Stehe uns erst noch bevor.

 

Und keine Sehnsucht zum Tode

Spürst du im goldenen Licht

Gesättigt bist du, geborgen

Im Augenblick, mag es der letzte sein,

Mag er auch nicht:

Du bist bereit.

 

If it be now, ‘tis not to com;

If it be not to come, it will be now,

If it be not now, yet it will come.

The readiness is all.

 

Und wer wäre eher

Zum Sterben bereit als der,

Dem, versunken ans Jetzt,

Dem keine Stunde schlägt.

 

- Dietrich Roloff -