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Ausstellung "Der Mond hinter den Wolken"

Teezeremonie & Kunst

 

Im fernen Herrnhut, dem Immer-noch-Stammsitz der Herrnhuter Brüdergemeinde, läuft seit Anfang Juli dieses Jahres eine sehenswerte Ausstellung zur japanischen Teekeramik, ergänzt um einen kleinen Beitrag seitens zeitgenössischer deutscher Keramiker. Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt eindeutig auf Erzeugnissen der Momoyama-Zeit (1568 – 1615) sowie der beginnenden Edo-Zeit während der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Alle einschlägigen Stücke entstammen dem Besitz zweier leidenschaftlicher Sammler, der eine weitaus hungriger als der andere: Peter Pilz und Thomas Riedinger. Die Bandbreite reicht von Kalligraphien und Rollbildern über die spezifischen Geräte der Teezeremonie bis hin zu kunstvollen Lackarbeiten. Selbstverständlich nehmen Teeschalen den größten Raum ein, und eines der Prachtstücke, eine ‚Mino-Kuro-Oribe‘-Schale aus der frühen Edo-Zeit, die auf schwarzem Grund einen in Weiß gehaltenen zunehmenden Mond zeigt, hat der Ausstellung obendrein den Namen gegeben: ‚Der Mond hinter den Wolken‘ (in Japan zeigt sich zunehmender Mond nahezu liegend, während er bei uns sich eher der Senkrechten annähert). Eine geradezu überwältigende Formen- und Farben-Vielfalt bietet sich dem Besucher dar – eine Vielfalt, die immer wieder zum Verweilen und staunenden Betrachten einlädt. Leider steht den beiden Sammlern bei der Präsentation ihrer Schätze nur eine relativ kleine Ausstellungsfläche zur Verfügung, was bei größerem Publikumsandrang einen vertieften Blick auf einzelne Objekte behindern würde. Doch die relative Abgelegenheit des Ausstellungsortes, des Völkerkundemuseums Herrnhut als einer Außenstelle der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, lockt – leider! – nicht eben übermäßig viele Interessenten an. Von der Qualität der Ausstellungsstücke her lohnt sich jedenfalls eine Fahrt nach Herrnhut auch für weiter entfernt wohnende ‚Westler‘, zumal wenn man sich ein Wochenende frei nimmt und in das Unternehmen ‚Mond hinter den Wolken‘ den Besuch nahegelegener und gleichfalls sehenswerter Städte wie Görlitz und Bautzen einbezieht.