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Eine kurze Biographie Ueda Sôkos

Geboren im Jahr 1563 in der ehemaligen Provinz Owari trug Ueda Sôko zunächst den Namen Satarô, später Shigeyasu und erhielt, als er wieder einige Jahre später unter Shun’oku Sôen, dem 111. Hauptabt des Daitokuji in Kyôto, an den dortigen Zen-Übungen teilgenommen hatte, den buddhistischen Namen Chikuin.

 

In jungen Jahren von Niwa Nagahide, einem Gefolgsmann und engen Vertrauten Oda Nobunagas, zum Pagen berufen, trat Sôko nach dessen gewaltsamen Tod im Jahr 1585 in die Dienste Toyotomi Hideyoshis und erhielt von ihm in Echizen ein Lehen in der Größe von 10.000 Koku Reis, dem damaligen Zahlungsmittel, zugeteilt. Damit gehörte Sôko fortan in den Kreis der Daimyô.

 

In den Folgejahren hat sich Sôko an Hideyoshis Feldzügen nach Kyûshû, Odawara und Korea beteiligt und ist 1594 für seine langjährigen Verdienste mit dem Familiennamen Toyotomi sowie dem Titel eines Hofrates belohnt worden. Unter seiner offiziellen Bezeichnung Mondo no kami wurde ihm außerdem der Befehl über die Provinz Settsu übertragen, in der sich auch die Burg von Ôsaka befand.

 

Nach dem Tode Hideyoshis im Jahr 1598 und dem Zerwürfnis innerhalb des von ihm eingesetzten Fünf-Regenten-Rates hat sich Sôko dem „westlichen“ Lager unter der Führung des einflussreichen Daimyô Ishida Mitsunari angeschlossen und war nach dessen Niederlage in der Schacht von Sekigahara im Jahr 1600 zunächst auf der Flucht, bis er von dem Clan der Hachisuka in der Provinz Tokushima auf der Insel Shikoku als Ehrengast aufgenommen wurde. Dort hat er unter anderem Gärten und Teehäuser nach eigenen Entwürfen anlegen bzw. errichten lassen und Unterricht in der Teezeremonie erteilt.

 

Danach ist er von Asano Yoshinaga, einem Verbündeten des bei Sekigahara siegreichen Tokugawa Ieyasu, nach Kishû in das Gebiet der heutigen Präfektur Wakayama eingeladen und dort, da er sein von Hideyoshi übertragenes Lehen mit der Niederlage des „westlichen“ Lagers verloren hatte, erneut mit einem Lehen über 10.000 Koku ausgestattet worden. Nach der erfolgreichen Belagerung der Burg von Ôsaka durch die Tokugawa-Truppen im Jahr 1615, an der auch die Familie Asano beteiligt war und die zugleich das Ende der Hideyoshi-Familie bedeutete, ist Asano Nagaakira auf Befehl Ieyasus, des nunmehrigen Shôguns, im Jahr 1619 nach Geishu in der heutigen Präfektur Hiroshima versetzt worden. Sôko folgte ihm dorthin und erhielt noch im gleichen Jahr abermals ein Lehen von 10.000 Koku, das später auf 17.000 Koku erweitert wurde, sowie eine hochrangige Beamtenstelle. Von da an bis zur Meiji-Restauration 1868 trug die Ueda-Familie über 12 Generationen hinweg als Verwaltungsbeamte die Verantwortung für das entsprechende Gebiet im Westen von Hiroshima.

 

Bereits 1586 hatte Sôko, kurz nachdem er in die Dienste Hideyoshis eingetreten war, die Bekanntschaft Sen no Rikyûs gemacht und bei ihm in den folgenden sechs Jahren bis zu Rikyûs ritueller Selbsttötung im Jahr 1591 dessen Teeweg erlernt. Anschließend ist Sôko zum 19 Jahre älteren Furuta Oribe, gleichfalls in den Diensten Hideyoshis stehend, gewechselt und bis zu dessen gleichfalls erzwungenem Selbstmord 1615 weitere 24 Jahre lang Schüler des Oribe-Teewegs gewesen. (In den letzten Jahrzehnten ist ein Buch wiederentdeckt worden, "Yoshinagas Erinnerungen an die Lehre Furuta Oribes", das von den mündlichen Unterweisungen Oribes berichtet, die Sôko seinerzeit von Oribe erhalten und an Asano Yoshinaga weitergegeben hat.)

 

In der Zeit nach Rikyûs Tod 1591 haben Burg und Stadtteil Fushimi im Süden Kyôtos für mehr als zwei Jahrzehnte die entscheidende Rolle in der Entwicklung des Teeweges innegehabt: Die Bug Fushimi hatte Hideyoshi, selbst ein begeisterter Anhänger des Teeweges, in den Jahren 1592 – 1594 als seinen Alterssitz errichten lassen, in dessen Umkreis zunächst auch Sôko, damals bereits mit dem Ehrennamen Mondo no kami ausgestattet, seinen Wohnsitz genommen hatte; und einige Jahre später, nach dem Tode Hideyoshis 1598, hatte Oribe bis zu seinem Tod 1615 den Bezirk Fushimi zum Zentrum kulturellen Austausches in Sachen Teezeremonie verwandelt.

 

Sôko selbst, der zur Zeit des Selbstmords Furuta Oribes schon längst in den Diensten der einflussreichen Familie Asano stand, hat in der Folgezeit neben seinen Aufgaben in Wakayama und anschließend, ab 1619, als Gebietsverwalter in Hiroshima zugleich auch seinen eigenen Tee-Stil entwickelt. Nachdem er dann sein Verwaltungsamt aus Altersgründen niedergelegt hatte, ist ihm sein zweiter Sohn Shigemasa im Amt des Gebietsverwalters nachgefolgt und hat sich Sôko in sein Anwesen Wafudô zurückgezogen und sich dort ganz der Zen-Übung und dem Teeweg gewidmet. Als sein Sohn Shigemasa am 10. April 1650 überraschend verstarb, hat Sôko aus Trauer über diesen Verlust das Essen verweigert und ist seinerseits am 1. Mai 1650 im Alter von 88 Jahren seinem Sohn in den Tod gefolgt.

 

Quelle: 上田家茶書集城 - Auszug aus dem Aufsatz 上田流の歴史と茶書 (Geschichte und Tee-Schriften der Ueda Ryû, S. 31 - 32) von 上田宗冏 (Ueda Sôkei)