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茶事預り - Chaji Azukari: Die Bewahrer des Ueda Sôko-Teeweges

Die Art und Weise, wie Sôkos Teeweg innerhalb der Ueda-Familie weitergegeben und bewahrt worden ist, bedarf einer besonderen Darstellung. Und zwar haben die einzelnen Generationen Sôkos Teeweg nicht persönlich weitergegeben. Das war vielmehr die Aufgabe zweier Familien, der Nomuras und Nakamuras, die gegen ein jährliches Gehalt von jeweils 100 Koku Reis für die Familie Ueda Dienst geleistet haben: Als sog. Chaji Azukari oblag ihnen sowohl die Bewahrung der Tradition als auch der Unterricht. Dieses Verfahren hat sich sehr früh entwickelt, vermutlich bereits zu Sôkos Lebzeiten, im Jahr 1646. Im Sôko-sama Okiki-gaki wird dieses Verfahren zunächst als Besonderheit der Shigeyasu Ryû und dann der Sôko-sama Ryû bezeichnet. Aus anderweitigen Notizen, die sich auf das Jahr 1857 datieren lassen, geht hervor, dass ab der 2. Hälfte der Edô-Zeit, also etwa ab 1750, der Titel Ueda Ryû Chaji Azukari fest etabliert ist.

 

Der erste und älteste dieser Chaji Azukari oder Teeweg-Bewahrer gehörte der Familie Nomura an. 1632 nach Hiroshima übergesiedelt, ist er Sôkos Gefolgsmann geworden, mit dem bereits erwähnten Gehalt von 100 Koku. Später in den Mönchsstand eingetreten, erhielt er den Namen Kyûmu und hat als solcher seinen Dienstherrn Sôko nur um 3 Jahre überlebt. Die 2. Chaji Azukari-Generation der Nomura-Familie, Nomura Ensai, kam als Kyûmus ältester Sohn zur Welt, wurde mit 9 Jahren Sôkos Page und von ihm auch im Teeweg unterwiesen. Nach Sôkos und Kyûmus Tod hat Ensai über drei Generationen der Familie Ueda hinweg (Ueda Shigemasa, Ueda Shigetsugu und Ueda Shigenobu) bis zu seinem Tod im Jahre 1696 als Chaji Azukari Dienst getan und Sôkos Teeweg von einer dieser Generationen an die nächste weitergegeben. 

 

Zum ersten Chaji Azukari der Nakamura-Familie wurde Nakamura Masachika, der zunächst beim Asano-Clan in Diensten stand und unter dem Namen Chigen Tee-Schüler von Nomura Kyûmu wurde. Chigens vierter Sohn Genga trat dann, gleichfalls für ein Jahresgehalt für 100 Koku Reis, als Chaji Azukari in die Dienste der Familie Ueda ein. Seither gilt sein Vater Chigen nachträglich als die 1. Generation der Nakamura Chaji Azukari. Chigen starb nach einer Lebensspanne, die sich über die 5. und 6. Generation der Ueda-Familie (Ueda Yoshiyuki, und Ueda Yoshiyori) erstreckte, im Jahr 1733. Unter Yoshiyori wurde im Übrigen der seit 100 Jahren bestehende Wafudô-Komplex restauriert.

 

Überspringen wir die beiden nächsten Generationen der Ueda-Familie und wenden uns einem signifikanten Ereignis zur Zeit der 9. Ueda-Generation, des Ueda Yasutora, zu. Im Jahr 1769 kam es zu einer wichtigen Begegnung der Samurai-Familie Ueda mit Vertretern des Kaufmannsstandes. Und zwar hatte die seit der Genroku-Ära (1688 – 1704), dem ‚Goldenen Zeitalter‘ des Tokugawa-Shôgunats, in Osaka im Bankgeschäft tätige wohlhabende Kaufmannsfamilie Konoike Zenemon die Bitte geäußert, den Wafudo-Komplex besuchen zu dürfen. Mit den zu dieser Zeit tätigen Chaji Azukari, Nomura Tanshin (4. Generation) und Nakamura Taikyû (3. Generation) wurde während eines formellen Chaji (formelle Tee-Einladung) beim Shôiri (1. Hälfte) gemeinsam aus demselben Becher Sake getrunken (Sakazukigoto), offensichtlich eine besondere Ehrerweisung, und anschließend hat Nakamura Taikyû nach dem Gôiri (2. Hälfte) den Tee zubereitet.

 

Zur Zeit der 11. Generation der Ueda-Familie, des Ueda Yasutoki, erlebte vom Ende des 18. bis in die Anfänge des 19. Jahrhunderts das japanische Bildungswesen dank des Einsatzes konfuzianischer Gelehrter eine regelrechte Blütezeit. Auch für die Ueda Familie waren mehrere konfuzianische Gelehrte tätig, angefangen mit Yamaguchi Sairi (1739 – 1799). Das hat sich auch auf den Teeweg der Ueda Ryû ausgewirkt, insofern der 5. Nomura-Chaji Azukari namens Nomura Kyûmu (mit dem gleichen Name wie der erste der Nomura-Chaji Azukari), der 6. und der 7. Nomura-Chaji Azukari, Nomura Sokyû und Nomura Yokyû, durch Neuerungen zu einem Zuwachs der Bekanntheit des Sôko-Teeweges beigetragen haben. Vor allem Letzterer ist durch die lobende Erwähnung in einem der Bücher des erfolgreichen konfuzianischen Gelehrten Yamada Jicchiku zu regelrechtem Ruhm gekommen.

 

An dieser Stelle seien einige Bemerkungen zur sog. Oniwa-Keramik eingefügt. Oniwa-yaki, wörtlich ‚Garten-Ware‘, hießen in der Feudalzeit Keramiken und Porzellane, die von Handwerkern in Öfen hergestellt wurden, die namentlich die Daimyôs auf dem Gelände ihrer Schlösser (daher im ‚Garten‘) hatten anlegen lassen. Diese Oniwa-yaki dienten einerseits dem Eigenbedarf eines Daimyô, wurden aber auch gerne als Geschenke verwendet, die man beim Besuch eines Standesgenossen zu überreichen pflegte. Solche Oniwa-yaki-Herstellung wurde auch in der Ueda-Familie betrieben, und da war es insbesondere Ueda Shigenobu (4. Generation), dessen ‚Garten-Ware‘ sich besonderer Beliebtheit erfreute – möglicherweise aufgrund des Einflusses von Nomura Ensai, der noch Sôkos eigene Oniwa-yaki-Herstellung miterlebt hatte. Später, zur Zeit der 11. Ueda-Generation, Ueda Yasutoki, erfuhr die Oniwa-yaki-Keramik ganz allgemein einen regelrechten Boom. Insbesondere die Chawan Yasutokis und seiner Chaji Azukari Nomura Sokyû und Nomura Yokyû erfreuten sich einer solchen Wertschätzung, dass sie von Generation zu Generation weitergegeben wurden.

 

Während der Zeit Ueda Yasutokis, als auf die beiden Nomuras Sokyû und Yokyû als 6. Nakamura-Generation Nakamura Taishin zum Chaji Azukari der Ueda-Familie aufrückte, wurden nicht nur Mitglieder von Samurai-Familien als Schüler angenommen, sondern auch einflussreiche Geschäftsleute (Machishû) sowie Menschen von außerhalb des Gebiets von Geishû herum. Das führte zur Einführung eines neues Unterrichts-System, das schon deshalb erforderlich wurde, weil es zur Zeit der nächsten, der 12. Ueda-Generation, der des Ueda Yasuatsu, aufgrund der allgemeinen prekären wirtschaftlichen Lage immer schwieriger wurde, für die im Verwaltungsgebiet Hiroshima anfallenden und seit Beginn bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts enorm gestiegenen Kosten die nötigen finanziellen Mittel aufzubringen. Hinzu kam, dass nach dem bedrohlichen Auftauchen der „Schwarzen Schiffe“ des amerikanischen Kommandanten Perry die Ausgaben für eine unumgängliche militärische Aufrüstung seitens des Tokugawa-Regimes derart anstiegen, dass der Haushalt der Ueda-Familie nicht mehr ausreichend finanziert werden konnten. Deshalb ordnete Yasuatsu gleich, nachdem er 1845 zum Familienoberhaupt geworden war, ein Konzept zur Neugestaltung des Finanzwesens an. Dies ergab, dass sich die laufenden Kosten des Kreises der Ueda Familie für ein ganzes Jahr auf 100 Kanme (Gewichts- bzw. Währungseinheit der Edô-Zeit; ca. 3,75 kg.) beliefen. Damit war es dann möglich, die Ausgaben für den Teeweg am jährlichen Haushaltseinkommen zu berechnen.

 

Yasuatsu war zum Ende dieser politisch chaotischen Zeiten als Haushofmeister des Asano-Clan angestellt und musste zu den einsetzenden Feldzügen aufständischer Daimyô, die zum Untergang des Tokugawa-Shôgunats führten und den Übergang zur Meiji-Restauration darstellten, als Vorhut Truppen des Verwaltungsbezirks von Hiroshima entsenden. Im Zuge dieser Staatsangelegenheiten war er auch damit ausgelastet immer wieder zwischen Hiroshima und der Kaiserstadt Kyôto hin- und her zu reisen.

 

Zu seiner Rolle innerhalb der Entwicklung der Ueda Ryû wäre anzumerken, dass er seit seiner Jugend mit großer Leidenschaft den Teeweg betrieben und von Nakamura Taishin, dem 6. Nakamura Chaji Azukari, die Unterweisungen für den Daisu übermittelt bekommen hat. Mit ihm zusammen hat Ueda Yasuatsu die für die Ueda Ryû spezifische und heute noch gültige Form des Unterrichts- und des damit verbundenen Sôden-Systems (der gestuften Abfolge von Zugängen zu nächst ‚höheren‘ Zeremonien) entwickelt. Der Einfluss Nakamura Taishins sei dabei – so Ueda Sôkei, die derzeitige und zugleich 16. Generation der Ueda-Familie – unübersehbar.

 

Mit der Meiji-Restauration von 1868 verloren die Daimyô – also auch die Asano und die Uedas – ihre Lehen (ihre Ländereien fielen an den Kaiser zurück), wie überhaupt der Stand der Daimyô und sonstigen Samurai abgeschafft wurde. Gleichwohl dienten die Nomura- und Nakamura-Familien der Familie Ueda weiterhin als Chaji Azukari, die Nomuras bis zum Tode eines Nomura Ensai (mit gleichem Namen wie deren 2. Chaji Azukari-Generation) im Jahr 1881, und die Nakamuras bis 1906, als auch deren letzter Chaji Azukari namens Nakamura Kaidô verstarb. Beide, Nomura Ensai und Nakamura Kaidô, waren ohne Nachkommen geblieben. Es folgten im Amt der Chaji Azukari noch Mukai Chikkadô, ein Schüler des Nakamura Kaidô, und anschließend Kakei Seidô, mit dessen Tod im Jahr 1955 das Chaji Azukari-System schließlich endete.

 

Quelle: 上田家茶書集城 - Auszug aus dem Aufsatz 上田流の歴史と茶書 (Geschichte und Tee-Schriften der Ueda Ryû, S. 32 - 33) von 上田宗冏 (Ueda Sôkei)