Zen-Reflexionen

Zen-Reflexionen · 18. Juli 2020
Welche Unverfrorenheit, eine solche Frage überhaupt zu äußern! Dôgen, einer der Giganten des japanischen Zen, der mit seinem Shôbôgenzô ein über die Jahrhunderte ausstrahlendes spirituelles Werk geschaffen hat! Doch gemach! Ob Lehrmeinungen und Maximen einen Fortschritt oder Rückschritt darstellen, hängt allein von der Bezugsgröße ab: wem gegenüber fort- oder rückschrittlich? Und in diesem Fall sei von vornherein klargestellt, dass die nachfolgenden Überlegungen ihre...
Zen-Reflexionen · 18. Juli 2020
Dieser zweite Blog-Eintrag zu Dôgens Shôbôgenzô fasst nur ein einzelnes Kapitel ins Auge: das umfangreiche und thematisch bedeutsame Kapitel Fo-xing. Dabei gilt es auch, die deutsche Übersetzung der Nishijima-Version des Shôbôgenzô sowie etwaige Anmerkungen Nishijimas auf den Prüfstand zu stellen. Beginnen wir gleich mit dem Titel. Er lautet, Band II der vierbändigen Kristkeitz-Ausgabe, Busshô. Die Buddha-Natur. Auch in diesem Kapitel greift Dôgen auf Texte noch weit vor der Zeit...
Zen-Reflexionen · 18. Juli 2020
Vorweg ein Geständnis: Meinen Selbstversuch, Dôgens Shôbôgenzô Kapitel für Kapitel hintereinander weg durchzulesen, ja durchzuarbeiten, habe ich nach zweien der vier Kristkeitz-Bände aufgeben müssen. Für einen Europäer des 21. Jahrhunderts, der sich, wenn auch nur höchst laienhaft, mit den Selbstverständlichkeiten moderner Wissenschaft auskennt, ist insbesondere der Glaubenseifer, mit dem sich Dôgen zu den überbordenden Mythen der Mahâyâna-Sûtren bekennt, auf Dauer schwer...
Zen-Reflexionen · 18. Juli 2020
„[Ich,] der Mönch vom Berge [hier, habe] keinen einzigen Dharma, [den ich] den Menschen geben [könnte]; es ist nur so, [dass ich] Krankheiten heile [und] Fesseln löse.“ Selbstverständlich hat der historische Lin-ji Yi-xuan (gest. 866), anders als sein Alter Ego im Lin-ji Lu von 1120 von sich selbst aussagt, sehr wohl einen Dharma, eine Lehre sein Eigen genannt. Denn was sollte beispielshalber die Behauptung von dem einen „wahren Menschen“, der da während der Lehrvorträge Lin-jis...
Zen-Reflexionen · 18. Juli 2020
Machen wir uns von vornherein klar, dass wir mit dem Lin-ji Lu ein Produkt der Song-Zeit vor uns haben, genauer gesagt, der Zeit der Nördlichen Song-Dynastie (960 - 1126) – eine Monographie, die gleichwohl vorgibt, die Lehren und Aussprüche eines Chan-Meisters der Tang-Zeit (618 -906) authentisch wiederzugeben. (In der Tat muss es eine solche tatsächlich authentische Wiedergabe einmal gegeben haben, und zwar zusammengestellt von Lin-jis unmittelbarem Nachfolger San-sheng Hui-ran, der damit...
Zen-Reflexionen · 18. Juli 2020
Gleich zu Beginn des Lin-ji Lu ist davon die Rede (Lehrreden I, S. 117), dass der ranghöchste auch für das Kloster Lin-jis zuständige kaiserliche Verwaltungsbeamte, der Gouverneur Rat Wang, Lin-ji inständig darum gebeten habe, ihm selbst und seinem gesamten Beamtenstab die Grundzüge der Buddha-Lehre darzulegen, und dass Lin-ji vor den versammelten Gästen auch eingewilligt habe, eben das zu tun. Doch dann folgt unmittelbar eine Herausforderung seitens Lin-ji an seine Mönche, sich einem...
Zen-Reflexionen · 18. Juli 2020
Da ist der historische Lin-ji eben noch nicht müde geworden, uns zu versichern, dass unser individueller Geist und der Ursprungs-Buddha nicht voneinander verschieden sind (yu zu-fo bu bie); da hat er mit Enthusiasmus davon gesprochen, dass wir in der Welt endlos unterwegs sein können, ohne dabei unsere Heimat, den Ursprungs-Buddha als Grund der Welt, zu verlassen (lun-jie zai tu zhong, bu li jia-she) – und schon tritt uns unvermittelt ein anderer Lin-ji entgegen: Einer, der erklärt: „Was...