Zen-Reflexionen

Zen-Reflexionen · 14. Januar 2021
Im Unterschied zum Anti-Machiavell des jugendlich empörten Friedrich II von Preußen dürfte heutzutage wohl den Aller-Allermeisten zu einem Anti-Parmenides rein gar nichts einfallen. Und das völlig zu Recht. Denn allenfalls ein paar Philosophiehistoriker oder Gräzisten haben überhaupt noch von einem Philosophen namens Parmenides, 5. Jahrhundert v.u.Z., vage oder auch genauere Kenntnis.
Zen-Reflexionen · 29. Dezember 2020
Wenn jemand wie der Betreiber dieses Blogs ernsthaft davon abrät, sich weiterhin an die „heiligen“ Texte des traditionellen Zen zu halten, sie regelmäßig zu rezitieren und zu Wegweisern der eigenen Übung zu erheben, der sieht sich leicht dem Vorwurf oder immerhin dem vorwurfsvollen Bedauern ausgesetzt, „er habe seinen Glauben verloren“.
Zen-Reflexionen · 10. Dezember 2020
Auf die Frage eines Mönchs: rú-hé shì qīng jìng fă-shēn, ‚Was hat es auf sich mit dem reinen und klaren Wahrheitsleib?‘, sagte Yun-men: huā yào lán, ‚Blüte – Medizin – Umzäunung!‘
Zen-Reflexionen · 24. November 2020
Bei meinem letzten Japan-Aufenthalt bin ich während eines Zazenkai gegen meinen Willen mit dem Keisaku geschlagen worden – wie es in Japan allemal denen geschieht, die während des Zazen aus der Rolle, will sagen, aus der vorgeschriebenen Haltung herausfallen. Damals war ich und bin mir auch heute noch keiner Nachlässigkeit bewusst – aufrecht und reglos habe ich dagesessen. Der einzige Grund für die mir auferlegte Korrekturmaßnahme war, dass ich – vorsätzlich – die Augen...
Zen-Reflexionen · 18. November 2020
Bodhisattvas – das sind jene erhabenen Wesen, die gelobt haben, nicht eher ins endgültige Nirvâna, sprich, in die buddhistische ‚ewige Seligkeit‘ einzugehen, als bis sie sämtliche Wesen gerettet haben. Nun ist das mit der Rettung aller Wesen so eine Sache. Heutzutage will sich die derzeitige Menschheit ja nicht einmal vor den unmittelbar drohenden katastrophalen Folgen des Klimawandels retten lassen. Innerhalb des buddhistischen Mythos hingegen, der auch in der Welt des Zen immer noch...
Zen-Reflexionen · 28. Oktober 2020
‚Buddha-Natur‘, dieser bei westlichen Zen-Anhängern übliche Begriff (im englischen Sprachraum ‚Buddha nature‘) entstammt dem chinesischen Chan. In den dortigen Texten ist von fó xìng die Rede, wobei fó ganz eindeutig ‚Buddha‘ bedeutet, wohingegen xìng rein lexikalisch betrachtet eine Vielzahl von Bedeutungen haben kann: ‚Wesen‘, ‚Natur‘, ‚Charakter‘, ‚Veranlagung‘, ‚Beschaffenheit‘ oder ‚Eigenschaft‘. Von all diesen möglichen Bedeutungen bleiben im...
Zen-Reflexionen · 21. Oktober 2020
Wer sich auf Zen einlässt, will auf Verwandlung hinaus: Etwas Grundlegendes soll sich ändern, an mir selbst, meiner Befindlichkeit, meinem Lebensgefühl. Und – davon untrennbar – an meinem Gefühl der Welt gegenüber. Um das zu erreichen, mache ich mich daran, mich selbst zu modellieren. Solche Selbstmodellierung verlangt Wiederholung, immer neue Wiederholung, und Wiederholung gelingt auf bestmögliche Weise auf dem Wege des Rituals...
Zen-Reflexionen · 14. Oktober 2020
Die sog. Kyôto-Schule, ein lockerer Verbund japanischer Intellektueller aus der ersten Hälfe des vorigen Jahrhunderts, hat ihre Aufgabe darin gesehen, das herkömmliche Zen unter Rückgriff auf die europäische Philosophie seit Hegel neu zu denken und so in seine Wahrheit einzusetzen (ein Unterfangen, das streng genommen einen Widerspruch in sich selbst darstellt, weil ja Zen vor allem Praxis bedeutet, die tägliche Übung des Zazen, und sich nicht im Theoretisieren erschöpft)....
Zen-Reflexionen · 13. Oktober 2020
Seit meinen Büchern Zen – vom Kopf auf die Füße gestellt und Zen – „Der Duft Hunderter von Blumen“ propagiere ich ein Zen aus MU – ohne das Brimborium von ‚Buddha-Natur‘ oder ‚Buddha-Wesen‘ (einem Buddha, der das Wesen aller Dinge darstellt), ‚Wahrheitsleib‘ und ‚wahrer Wirklichkeit‘. Das muss jeden Zen-Traditionalisten befremden oder gar entsetzen, zumal das Kôan MU so unspektakulär daherkommt, dass es allsogleich auch einem noch hilflosen Anfänger anvertraut...
Zen-Reflexionen · 10. Oktober 2020
Merkwürdig: Da wird in ‚Zen und Zeit‘ vor dem Leser, der Leserin eine umfängliche Sammlung von Zen- Gedichten ausgebreitet, die exakt im Jahr 1992 einsetzt und, in den letzten zwei, drei Jahren allmählich ausklingend, ebenso exakt 2007 endgültig abbricht. Was ist da passiert – und was sind überhaupt ‚Zen-Gedichte‘?

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