Geschichte


In der Geschichte des japanischen Teeweges stellt die Zeit zwischen dem Ende des 15. und dem des 16. Jh. einen Wendepunkt dar: War bis dahin der Genuss einer Schale Tee mit der Zurschaustellung und Bewunderung chinesischer Kostbarkeiten verbunden, so trat mit den Teemeistern Murata Jukô (1422 – 1502), Takeno Jôô (1502 – 1555) und Sen no Rikyû (1521 – 1591) ein deutlicher Wandel ein. Jukô, der sich unter dem bedeutenden Zen-Meister Ikkyû Sôjun geschult hatte, führte als Erster den Geist des Zen-Buddhismus mit seiner meditativen Stille und verhaltenen Schlichtheit in den Teeweg ein (wabicha), den seine beiden Nachfolger Jôô und Rikyû als Weg der geistigen Schulung weiter ausgestaltet haben.

Toyotomi Hideyoshi
Toyotomi Hideyoshi

Sen no Rikyû, der wie seine beiden Vorgänger eine Zen-Ausbildung absolviert hat, besaß als Teemeister des damals mächtigsten Mannes Japans, des Reichseinigers Toyotomi Hideyoshi (1563 – 1598), eine herausragende Stellung, die ihn in die Lage versetzte, die weitere Entwicklung des Teeweges entscheidend zu beeinflussen: Rikyû, der selbst einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie aus Sakai entstammte, trug dabei den wabicha seines „Großvaters“ Jukô in die Kreise der Samurai um den Feldherren Toyotomi Hideyoshi. Seine wichtigsten Schüler, die sogenannten „Sieben Weisen Rikyûs“, gehörten daher sämtlich der Klasse des Schwertadels (buke) an.


Zu dem Kreis derer, die in unmittelbarem Kontakt zu Sen no Rikyû den Teeweg erlernt haben, gehörte auch Ueda Sôko, der zwar nicht zu den „Sieben Weisen“ gezählt wird, sich aber nach seinem Eintritt in die Dienste Hideyoshis gleichfalls bis zu Rikyûs erzwungenem rituellen Selbstmord (seppuku) sechs Jahre lang unter dessen Anleitung auf dem Teeweg geschult hat.

Solchermaßen in den Kreisen des Schwertadels entstanden, versteht sich die von Ueda Sôko begründete Tradition als „Teeweg der Samurai“ (bukecha). Dass in den bürgerkriegähnlichen Wirren bis zum Beginn der Edô-Zeit vor allem die Samurai wieder und wieder mit dem Tode konfrontiert waren, hat diesem Teeweg seine besondere Form gegeben: jeden Augenblick des Lebens den eigenen Tod vor Augen zu haben und doch jeden Moment bewusst zu erleben und in Gelassenheit auszuschöpfen. Gerade darin berührt sich der bukecha mit dem Zen-Buddhismus, zu dem sich die Samurai seit jeher hingezogen fühlten, weil die fortwährenden Einübung in ein spirituelles Sterben (za-zen) ihnen dazu verholfen hat, von ihrem Ich mit seinen Hoffnungen und Ängsten abzusehen und sich gerade deshalb rückhaltlos dem Leben zuzuwenden. Diese Einstellung hat sich im bukecha auch dann noch erhalten, als es unter dem Shôgunat der Tokugawa für nahezu 300 Jahre keine Kriege und Kämpfe mehr gegeben hat.